Rückblick auf die Buchmesse AM ADLER – Worte, die bleiben

Die Leipziger Buchmesse ist für viele ein Ort der großen Hallen, Verlage und Signierstunden. Für uns AM ADLER war sie in diesem Jahr vor allem eines: ein lebendiger Beweis dafür, dass Literatur dann am stärksten ist, wenn sie mitten im Leben stattfindet.

Donnerstag – Ein Buch gehört allen

Der Auftakt hätte offener kaum sein können. Zur öffentlichen Buchpremiere wurde der Turm selbst zum Buch: Für 24 Stunden war der gesamte Text frei zugänglich – lesbar für alle, die vorbeikamen, stehenblieben, innehielten.

Und sie blieben stehen.

Dutzende Anwohner und Passanten lasen, blätterten, gingen um den Turm herum, tauchten ein. Es waren Begegnungen, wie sie nur hier entstehen: vertraut und gleichzeitig neu.

Eine besondere Freude war das Wiedersehen mit Frau Schreier – jener Seniorin, die 2024 als eine der ersten überhaupt den Platz für sich entdeckte. Damals kam sie mit eigenen Büchern, historischen Bildern und Erinnerungen zu uns. Nun stand sie wieder am Turm, las die neuen Geschichten und betrachtete die aktuellen Bilder. „Das ist aber interessant“, sagte sie – und in diesem einfachen Satz lag eine ganze Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.

Ein anderer Besucher blieb über eine Stunde. Er umrundete den Turm immer wieder, las alles, was es zu lesen gab, und sagte schließlich: „Krasse Abenteuer, die ihr hier erlebt.“

Am Abend ging der Tag in ein nachbarschaftliches Miteinander über: ein offenes Get-together, gemeinsames Grillen, Gespräche, Lachen – genau das, was diesen Ort ausmacht.

Freitag – Geschichten, die reisen

Der Freitag stand ganz im Zeichen der Community rund um Zombie Zone Germany. Was zunächst nach einem klar umrissenen Fantreffen klang, entwickelte schnell eine eigene Dynamik.

Offene Lesungen, Begegnungen mit Autorinnen und Autoren wie Vincent Voss oder Marko Richter-Höfer, ein improvisierter Buchladen von Herausgeberin Carolin Gmyrek – dazu Lagerfeuer, offene Küche und Essen für alle.

Was uns besonders überrascht hat: Der ADLER wurde plötzlich zu einem Ort überregionaler Begegnung. Nicht nur Leipziger waren da – sondern Menschen aus Hamburg, Düsseldorf, München. Messebesucher, Fachpublikum, Neugierige.

Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl, dass die Idee dieses offenen Ortes beginnt zu reisen. Dass Menschen sie mitnehmen, weitertragen, vielleicht anderswo neu denken.

Ein eigener Buchmarkt – Geschichten zum Mitnehmen

Über das gesamte Wochenende hinweg entstand unabhängig von den organisierten Lesungen AM ADLER ein eigener, kleiner Buchmarkt. Zwischen gebrauchten Büchern, die neue Leser suchten, wurde gestöbert, entdeckt und weitergegeben. Es war kein klassischer Verkauf, sondern eher ein Kreislauf: Geschichten wechselten die Hände, fanden neue Wege, neue Gedankenräume. Genau das, was Literatur im Kern ausmacht – dass sie weiterlebt, indem sie geteilt wird.

Samstag – Haltung zeigen, trotz Regen

Der Samstag brachte Regen – und trotzdem kamen sie.

Zur Lesung aus „Zwei Jahre AM ADLER“, vorgetragen von Autor und Initiator Johannes Strom, versammelten sich zahlreiche Besucher. Mit Essen und Getränken, mit Regenschirmen und offenen Ohren wurde der Platz erneut zum Resonanzraum für Geschichten, die hier entstanden sind.

Im Anschluss folgte ein Moment, der über das Literarische hinausging: die Verleihung des
„Preises für besondere Zivilcourage im Alltag“.

Ausgezeichnet wurde Jens-Uwe Börger – für seinen Einsatz, seine Haltung und sein Engagement für den Platz und das Viertel. Ein Zeichen dafür, dass dieser Ort nicht nur von Ideen lebt, sondern von Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Was bleibt

Drei Tage, viele Geschichten – und eine Erkenntnis:

Der ADLER ist kein Ort, an dem etwas „stattfindet“.
Er ist ein Ort, an dem etwas entsteht.

Zwischen Buchseiten und Grillrost, zwischen Lesung und Lagerfeuer, zwischen Nachbarschaft und Besuchern aus ganz Deutschland ist etwas sichtbar geworden, das sich nicht planen lässt:

Eine Öffentlichkeit, die trägt.
Eine Gemeinschaft, die wächst.
Und Geschichten, die bleiben – weil sie geteilt werden.

Das Buch zum Ort – und warum es mehr ist als ein Buch

Mit „Zwei Jahre AM ADLER“ ist erstmals ein Buch entstanden, das diesen Ort selbst erzählt – seine Anfänge, seine Brüche, seine Begegnungen und das, was daraus gewachsen ist. Es ist kein abgeschlossenes Werk, sondern eher eine Momentaufnahme eines lebendigen Prozesses.

Wichtig für uns: Alle Einnahmen aus dem Verkauf fließen direkt in den Erhalt und die Weiterentwicklung des Projekts. Wer das Buch kauft, unterstützt also nicht nur die Geschichte – sondern sorgt dafür, dass neue entstehen können.

Erhältlich ist das Buch für 20 Euro direkt vor Ort AM ADLER bei Veranstaltungen sowie online über Amazon.

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